Was ist ein Mantel und ein Umhang?
Mantel und Umhang sind zwei wärmende Außengewandungen, die äußerlich Ähnlichkeiten aufweisen, sich in Schnitt, gesellschaftlicher Verwendung und symbolischer Funktion jedoch unterscheiden. Im Folgenden wird klar und geordnet erklärt, was jedes kennzeichnet, wie sie sich historisch entwickelten und wie man sie in künstlerischen Überresten oder historischen Beschreibungen erkennt.
Grundlegende Definitionen
Mantel und Umhang sind ärmellose Außengewandungen, die über die Schultern gelegt werden, weisen jedoch Unterschiede im Schnitt und in der Konnotation auf:
- Mantel: ein weites, oft feierlicheres Kleidungsstück, das dazu gedacht ist, einen großen Teil des Körpers zu bedecken. Traditionell mit zeremoniellen, kirchlichen oder hochrangigen Funktionen assoziiert.
- Umhang: ein praktischeres und funktionaleres Kleidungsstück, meist mit rundem oder halbkreisförmigem Schnitt, gedacht, um im Alltag vor Wind und Regen zu schützen.
Formale Merkmale
- Schnitt:
- Mantel: üblicherweise mit rechteckigen oder halbkreisförmigen Zuschnitten beginnend, mit einer Öffnung oder einem halbmondförmigen Ausschnitt am Hals, um auf den Schultern zu liegen.
- Umhang: häufig mit komplett rundem oder halbkreisförmigem Schnitt, mit vorderer Öffnung oder Befestigung am Hals; einige Modelle haben eine integrierte Kapuze.
- Länge und Fall: Der Mantel ist meist länger und voluminöser; der Umhang kann lang sein oder nur bis zur Taille reichen, je nach Verwendungszweck.
- Verschluss und Befestigung: Beide können mit Verschlüssen, Fibelns oder Schnüren geschlossen werden; der alltägliche Umhang neigt zu einfacheren, praktischeren Lösungen.
Wie man sie visuell identifiziert
- Erscheint das Kleidungsstück in zeremoniellen Kontexten, mit Pelzfutter oder Verzierungen, handelt es sich wahrscheinlich um einen Mantel.
- Zeigt das Kleidungsstück eine integrierte Kapuze oder ein Design, das auf tägliche Mobilität ausgelegt ist, handelt es sich eher um einen Umhang.
Geschichte und Entwicklung
Beide Kleidungsstücke haben antike Wurzeln und ihre Verwendung setzte sich im Mittelalter fort, wobei Form und Bedeutung je nach Zeit und Region variierten. In den zentralen Jahrhunderten des Mittelalters:
- Der Mantel entwickelte sich zunehmend zu einem Statussymbol: halbkreisförmige Schnitte und Pelzfütterungen (Hermelin, Otter) markierten soziale Unterschiede. Krönungsmäntel oder liturgische Mäntel wurden besonders kunstvoll ausgestaltet.
- Der Umhang blieb ein nützliches Kleidungsstück: von schweren, pelzgefütterten Versionen im nordeuropäischen Raum bis zu leichteren Modellen in gemäßigten Klimazonen.
Materialien und Verarbeitung
Die Wahl der Stoffe richtete sich nach Verfügbarkeit und sozialem Status:
- Einfache Bevölkerung: grobe Wollstoffe, dicht geschlagene Gewebe, um Wasser und Wind abzuwehren.
- Oberschichten: feine Wolle, Leinen als Futter, Seide und Samt (letzterer besonders mit Adel verbunden in späteren Phasen).
- Verzierungen: zeremonielle Mäntel konnten Stickereien, Perlen, Gold und Edelsteine enthalten; ihre Herstellung war aufwändig und repräsentativ für Macht.
Soziale und symbolische Bedeutung
In hierarchischen Gesellschaften dienten diese Kleidungsstücke als visuelle Statusmarker:
- Die Breite des Saums, die Qualität des Futters oder durch Zunftordnungen vorgeschriebene Farben konnten Stände identifizieren.
- Der Mantel war Attribut von Würdenträgern (Könige, Bischöfe, Richter) und liturgischen Handlungen; er hatte ikonografische und symbolische Funktionen.
- Der Umhang konnte in militärischen Kontexten die Farben eines Hauses tragen oder durch einfache Abzeichen berufliche Zugehörigkeit signalisieren.
Regionale Varianten
- In kalten nördlichen Klimazonen verbreiteten sich mit Pelz gefütterte Mäntel und Umhänge; im Mittelmeerraum dominierten leichtere Ausführungen.
- Typologische Beispiele: der spanische "redondel" (runder Mantel mit seitlicher Öffnung und großem Pelzkragen), Umhänge mit quer gebundenen Schnüren über der Brust oder halbkreisförmige herrschaftliche Mäntel.
Praktische und zeremonielle Verwendungen
- Schutz vor Witterung: Kapuzen, Umklappungen und mehrere Textile lagen verbesserten die Isolierung.
- Öffentliche oder liturgische Handlung: der Mantel enthielt ikonografische Elemente und reiche Materialien, um Autorität und Sakralität zu betonen.
| Eigenschaft | Mantel | Umhang |
|---|---|---|
| Üblicher Schnitt | Rechteckig oder halbkreisförmig, weiter Fall | Rund oder halbkreisförmig, praktischer |
| Vorherrschende Verwendung | Zeremoniell, kirchlich, herrschaftlich | Alltäglich, Schutz vor Witterung |
| Typische Materialien | Seide, Pelzfutter, Stickereien | Große Wolle, dicht geschlagene Stoffe, manchmal Pelzfutter |
| Soziale Zuordnung | Hoher Adel, Klerus, Zeremonien | Alle Stände; weit verbreitet |
Tipps zur Identifikation in Kunstwerken und Quellen
- Beobachte den Kontext: religiöse oder höfische Ikonographie deutet meist auf einen Mantel hin.
- Achte auf Verschluss und Kapuze: das Vorhandensein einer integrierten Kapuze spricht für einen praktischen Umhang.
- Analysiere Verzierungen und Futter: reiche Futterstoffe und Stickereien weisen auf zeremoniellen Gebrauch hin.
Das Verständnis des Unterschieds zwischen Mantel und Umhang hilft, Gemälde, Skulpturen und historische Dokumente besser zu interpretieren und zwischen praktischen Funktionen und Symboliken in historischer Kleidung zu unterscheiden.