Was ist eine Stola?
Die Stola war das kennzeichnende Kleidungsstück der matronae (Matronen) im antiken Rom: eine lange Übertunika, die neben dem Bedecken auch den Familienstand, die soziale Stellung und moralische Werte wie Keuschheit und eheliche Treue signalisierte. Auf den ersten Blick unterschied sie die verheiratete Frau von anderen, ähnlich wie die Toga beim Mann.
Ursprung und historische Bedeutung
Die Stola entwickelte sich in einem Gesellschaftskontext, in dem Kleidung als soziales Sprachmittel fungierte. Ihre Verwendung war besonders mit der Ehe verbunden: sie zu erhalten oder zu tragen war ein Zeichen dafür, dass die Frau zu einer rechtschaffenen und respektablen Familie gehörte. Man kann ihren Einfluss in griechischen Gewändern wie dem Chiton (quitón) nachverfolgen, obwohl die Stola in Rom eigene Formen und Verwendungsweisen annahm.
In der lateinischen Literatur und der bildenden Kunst erscheint die Stola mit ehelicher Tugend assoziiert; in Extremfällen konnte ihr Entzug oder das Erzwingen der Toga als symbolische Strafe dienen (zum Beispiel gegenüber Frauen, die in bestimmten Zeiten des Ehebruchs beschuldigt wurden), wobei die Toga der Stola als Zeichen der Schande gegenüberstand.
Design und Herstellung
Körperlich war die Stola ein langes Kleid bis zu den Knöcheln und wurde in ihrer klassischen Form aus rechteckigen oder quadratischen Stoffbahnen zugeschnitten. Zu ihren Hauptmerkmalen gehörten:
- Form: rechteckiges Stück oder zwei Stoffbahnen, verbunden mit einer Öffnung für den Kopf.
- Befestigung: an den Schultern mit Fibel(n), Verschlüssen oder Nähten befestigt.
- Taille und Gürtel: wurde unter der Brust (Empire-Stil) oder in der Taille mit Gürteln wie der zona, dem succinte oder dem patagium eng gehalten.
- Unterer Saum: die instita, ein verziertes Band, das aus Gründen der Scham die Füße verdeckte und als Unterscheidungsmerkmal diente.
- Ärmel: konnten lang, kurz sein oder durch Träger gehalten werden, je nach Mode und Klima.
Materialien und Farbe
Die Wahl von Stoff und Farbstoff war eine direkte Form des Statusausdrucks:
- Wolle war üblich und praktisch.
- Leinen und leichte Baumwollen wurden in warmen Klimazonen oder in feineren Varianten verwendet.
- Seide, importiert und gelegentlich mit Goldfäden oder Perlen geschmückt, wies auf Reichtum hin.
- Natürliche Farbstoffe ermöglichten von gedeckten bis zu leuchtenden Tönen; farbige Streifen oder clavi am Rand waren bei Kleidungsstücken der Elite verbreitet.
Kombination: Kleidungsstücke und Accessoires
Die Stola wurde nicht allein getragen. Sie war Teil eines Ensembles:
- Subucula oder Untertunika: ein hautnahes Kleidungsstück aus Leinen oder feiner Seide.
- Palla: rechteckiger Mantel, der als Schal oder Schleier übergeworfen wurde und je nach Anlass Schultern und Kopf bedeckte.
- Accessoires: Schmuck (Perlen, Halsketten), dekorative Gürtel und praktische Gegenstände wie Fächer oder Sonnenschirme bei den Elitefrauen.
Soziale Unterschiede und Varianten
Die Stola wies je nach Epoche und Status Unterschiede auf:
- Lokale und zeitliche Formen: in der frühen römischen Zeit war sie schlichter; im hohen Kaiserreich entstanden durch östliche Einflüsse reichere und stärker dekorierte Varianten.
- Hierarchien: bestimmte Details — Stickereien, farbige Streifen, Seide — markierten klar die soziale Stellung.
- Kontinuität: im Byzantinischen Reich setzte sich die Idee einer zeremoniellen Frauentunika in offiziellen und kirchlichen Kontexten mit formalen Weiterentwicklungen fort.
Die Stola in der Gegenwart: Forschung und Rekonstruktion
Heute ist die Stola durch archäologische Quellen (Statuen, Fresken, Mosaike) und Texte bekannt. Sie taucht auch in historischen Rekonstruktionen, Theaterinszenierungen und Living-History-Aktivitäten (Reenactment, LARP, Museen) auf, wo Schnitte, Befestigungen mit Fibeln und Drapierungen anhand von Funden nachgebildet werden. Diese Rekonstruktionen helfen, nicht nur die Silhouette, sondern auch die soziale Funktion des Kleidungsstücks zu verstehen.
| Häufige Materialien | Merkmale | Beispiele für Verwendung |
|---|---|---|
| Wolle | Traditionell, warm, strapazierfähig; häufig im Alltag der Mittelschicht und ländlichen Bevölkerung. | Schlichte, funktionale Kleidungsstücke für den täglichen Gebrauch. |
| Leinen / Baumwolle | Leicht und luftig; geeignet für warmes Klima und als Untergewand. | Bequeme, kühlere Modelle, häufig im Sommer und in Küstenstädten. |
| Seide | Importiert, luxuriös; kombiniert mit Stickereien, Gold und Perlen, um Prestige zu zeigen. | Verwendung bei Zeremonien, öffentlichen Auftritten und Porträts von Eliten. |
Wesentliches zur Stola
- Sie war nicht nur Mode: sie war ein sichtbarer sozialer Code.
- Form und Verzierung vermittelten Botschaften über Ehe, Klasse und Tugend.
- Aktuelle Forschung kombiniert Texte, Ikonographie und Textilfunde, um ihre Varianten zu rekonstruieren.
Die Stola bietet somit ein Fenster in die Funktionsweise weiblicher Identität im Rom: ein kleidungsstück voller Bedeutung, das soziale Erwartungen artikulierte und die öffentliche Präsenz der Matrone markierte.